Chronik

Chronik des Münsterbaus

900

  • 974 gründet der Kölner Erzbischof Gero in Mönchengladbach ein Benediktinerkloster und beruft zum ersten Abt Sandrad, der Mönch in St. Maximin in Trier und in St. Pantaleon in Köln gewesen war. 972 hatte ihn Kaiser Otto d. Gr. nach St. Gallen gesandt, um das dortige Kloster zu reformieren, was ihm aber misslang. Am Hof des Kaisers wirkte er als Beichtvaters der Kaiserin Adelheid. Auch Gero, seit 969 im Amt in Köln, stand in enger Verbindung zum kaiserlichen Hof. 972 hatte er im Auftrag Ottos in Konstatinopel Theophanu, Nichte des oströmischen Kaisers Johannes I. Tzimiskes, als Gattin für den Kaisersohn Otto II. ausgewählt. Von der ersten kleinen Klosterkirche von 10 m Breite und 31 m Länge, die dem in Sachsen besonders verehrten Vitus geweiht war, ist nichts mehr zu sehen.

1000

  • 1000 wird die Klosterkirche durch einen Westturm ergänzt.

1100

  • um 1100 wird unter Abt Adalbero mit einem Neubau der Klosterkirche begonnen. Davon hat sich die dreischiffige Krypta erhalten. Den einschiffigen Gründungsbau wandelt man in eine Basilika mit einem Mittelschiff und zwei schmaleren und niedrigeren Seitenschiffen um.
  • um 1150 wird die Vitusglocke gegossen, die als älteste Glocke Deutschlands galt. Wegen ihres bellenden Klangs hieß sie im Volksmund De Honk (der Hund). Sie ist im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.
  • um 1170/80 unter Abt Rupert werden die älteren Bauteile durch einen dreiteiligen Neubau mit einem rechtwinkeligen Turm in Breite des Mittelschiffs und mit kleineren Anbauten, die an den beiden Seiten stehen ersetzt. Im Obergeschoss des Turms entsteht die Abtskapelle, die reichlich mit Bauschmuck ausgestattet ist, der sich erhalten hat. Sie steht in ihrem kunsthistorischen Rang der Kaiserloge im Speyrer Dom nahe. Der weitere Umbau der Kirche blieb stecken.

1200

  • 1200 Im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts beginnt nach fünfzig Jahren Baupause unter Abt Gerhard der Bau eines neuen dreischiffigen Langhauses, der ebenfalls nicht vollendet wird. Dann ruft etwa 20 Jahre später Abt Dietrich um 1256 Meister Gerhard, den Architekten des gotischen Doms zu Köln und „Stararchitekten“ (Hugo Borger) seiner Zeit zur Hilfe. Nach seinen Plänen wird der Chor des Münsters errichtet, der zu den europaweit herausragenden Bauwerken der Hochgotik zählt. Ebenso von hohem kunsthistorischen Wert ist das sogenannte Bibelfenster im Chor, das um 1270 vermutlich am Mittelrhein geschaffen wurde und 14 Szenen aus dem Alten Testament dem des Neuen gegenüberstellt.
  • 1275 kommt der mittelalterliche Universalgelehrte Albertus Magnus, der zeitweise Bischof von Regensburg gewesen war, aus Köln nach Mönchengladbach, um am 28. April den Hochaltar zu weihen.

1300

  • um 1300 entsteht der heute am Fuß des Hochchors aufgestellte Altar. Er gehörte ursprünglich zum Lettner, der den Chor vom Langhaus trennte.

1400

  • 1454 werden erstmals die im Münster aufbewahrten „großen Heiligtümer“ erwähnt, Textilreliquien wie etwa Teile des Abendmahltuchs, die vermutlich im 12./13. Jahrhundert entstanden sind. Sie werden am Münster öffentlich gezeigt und stehen im Zusammenhang mit der alle sieben Jahre gefeierten Aachenwallfahrt, die bis heute fortlebt.

1500

  • 1577 wird unter Abt Jakob Hecken in der südlich des Chors gelegenen gotischen Sakristei ein Fußboden aus Maaskieseln in Terrazzomanier verlegt.

1600

  • 1683 wird der gotische Lettner abgetragen und die Kirche im Stil des Barocks umgebaut.

1700

  • 1749 erhält der Turm eine barocke Haube.

1800

  • Am 11. Oktober 1802 verlassen die letzten 31 Benediktiner das Kloster. Das Münster wird geschlossen und steht vor dem Abriss, der auf Intervention bei dem Aachener Bischof Marc Antoine Berdolet einiger Mönchengladbacher Bürger und des Pfarrers Cornelius Kirchrath, der zuvor Prior des Klosters gewesen war, verhindert wird. Ab 1809 wird das Münster als Annexkirche genutzt. Eine Verwendung als Pfarrkirche war abgelehnt worden.
  • 1853 stellt der preußische Generalkonservator Ferdinand von Quast schwere Schäden am Münster fest. Von 1857 bis 1862 restauriert der Kölner Architekt Vincenz Statz das Münster und entfernt die barocken Veränderungen. Die Kosten für die Neugestaltung trägt weitgehend der erste Münsterbauverein, der bis 1873 besteht.
  • 1890/91 wird die Barockhaube auf dem Turm im Westen, im Volksmund Pfefferbüchse genannt, beseitigt und ein Geschoss mit hoher Spitze hinzugefügt.

1900

  • 1918 wird nach Entfernung des Kupferbelags der Turm flachgedeckt.
    Während des Zweiten Weltkriegs werden große Teile des Münsters 1943/44 zerstört.
  • Am 29. Januar 1947 entsteht der heutige Münsterbauverein als „Bürgerverein“. Der Wiederaufbau beginnt. Die Geschäftsführung übernimmt Hans Bange.
  • Am 18. Juni 1950, dem Fest des hl. Vitus, wird zum ersten Mal nach dem Krieg wieder ein Pontifikalamt im Münster gefeiert.
  • 1952 wird der durch den Krieg schwer beschädigte Turm nach Abriss des zu Ende des 19. Jahrhunderts hinzugefügten Obergeschosses wiederhergestellt und mit einer schiefergedeckten achtseitigen Pyramide abgeschlossen.
  • Ab Weihnachten 1953 finden wieder regelmäßig Gottesdienste im Münster statt. Die Gewölbe von Chor und Langhaus sind wiederhergestellt.
  • 1954 folgt die Wiederherstellung des Gewölbes der Krypta.
  • 1956 werden die von Wilhelm Geyer geschaffenen Chorfenster und die von Daan Wildschut geschaffenen Obergadenfenster eingesetzt.
  • 1958 wird der von Ewald Mataré entworfene Hochaltar geweiht.
  • 1960 werden die von Wilhelm Geyer geschaffenen Fenster im Martinschor eingesetzt.
  • 1961 wird die 44 Register umfassende Orgel der Firma Rieger/Glatter-Götz eingebaut.
  • 1965 erhält das Münster ein neues Geläut aus drei großen und sieben kleinen Glocken.
  • 1972 schreibt Joseph Beuys bei einem Happening EXIT auf das Westportal.
  • 1974 schaffen die Mataréschüler Elmar Hillebrand ein Triumphkreuz für den Chor und Franz Gutmann den Einsatz für das Taufbecken. Das Münster wird von Papst Paul VI. zur Basilica minor erhoben.
  • 1976 werden die von Wilhelm Buschulte geschaffenen Südfenster und die Südtür von Franz Gutmann eingebaut.
  • 1981 werden die von Hans Lünenburg geschaffenen Sakristeifenster eingesetzt.
  • 1986/87 werden die sieben Kryptafenster von dem Mataréschüler Georg Meistermann eingebaut.
  • 1991 wird der Ambo von Elmar Hillebrand aufgestellt.
  • 1994 werden die Standleuchter von Elmar Hillebrand aufgestellt.
  • 1997-2007 wird das Münster umfassend saniert.
  • 1999 wird die Skulptur Ecclesia von Franz Gutmann aufgestellt.

2000

  • 2014 werden Gegenstände, die früher in der Schatzkammer aufbewahrt waren, darunter der Tragaltar (um 1160), der Abendmahlschrein (1895) und die Skulpturen des hl. Vitus (1895) und des hl. Laurentius (1902) in die Kirche geholt. Im Norden der Kirche wird die Skulptur „Gefesselte“ von Maria Lehnen aufgestellt.